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Atemwegserkrankungen bei Hunden


Ob beim Toben im Park, dem Begrüßungsbellen an der Tür oder im entspannten Schlaf – die Atmung ist der Motor für die Vitalität Ihres Hundes. Doch das Atmungssystem ist anfällig für verschiedenste Einflüsse. Während ein gelegentliches Husten harmlos sein kann, verbirgt sich hinter anhaltendem Röcheln, Kurzatmigkeit oder trockenem Husten oft eine ernstzunehmende Erkrankung.
Auf der nachfolgenden Seite können Sie sich einen Überblick zu verschiedenen Atemwegserkrankungen, ihren möglichen Ursachen und Symptomen schaffen.

Symptome & Warnsignale

Da unsere Hunde uns nicht verbal mitteilen können, wenn das Atmen schwerfällt, müssen wir auf subtile Veränderungen achten. Oft beginnt es mit einer leichten Leistungsschwäche, die fälschlicherweise dem Alter oder dem Wetter zugeschrieben wird.

Husten beim Hund: Mehr als nur ein "Verschlucken"

Husten ist ein Schutzreflex des Körpers, um Fremdkörper oder Schleim aus den Atemwegen zu befördern. Er ist das Leitsymptom fast aller Atemwegserkrankungen, unterscheidet sich jedoch in seiner Form:
  • Trockener, bellender Husten: Tritt oft anfallsartig auf, häufig bei akuten Infektionen (Zwingerhusten) oder Reizungen der Luftröhre. Er klingt oft rau und hohl.
  • Feuchter, rasselnder Husten: Kann auf eine vermehrte Schleimbildung in den unteren Atemwegen hindeuten (z.B. bei Bronchitis). Manchmal schlucken Hunde den hochgehusteten Schleim direkt wieder oder würgen ihn raus.
  • Reizhusten bei Belastung: Wenn der Hund nur beim Toben oder bei Zug an der Leine hustet, kann dies auf eine mechanische Reizung oder Instabilität der Atemwege hindeuten.

Rückwärtsniesen & auffällige Atemgeräusche

  • Rückwärtsniesen (Reverse Sneezing): Der Hund zieht anfallsartig Luft durch die Nase ein, streckt den Hals und produziert ein schnaubendes, röchelndes Geräusch. Es wirkt oft dramatisch, ist in vielen Fällen eine harmlose Reizung im Rachenraum. Tritt es jedoch gehäuft auf, sollte eine anatomische Ursache ausgeschlossen werden.
  • Pfeifen oder Giemen (Stridor): Ein hohes, pfeifendes Geräusch beim Ein- oder Ausatmen deutet auf eine Verengung der Atemwege hin.

Weiter Warnsignale

Die folgenden Symptome können ebenfalls ein Hinweis auf eine mögliche Atemwegserkrankung sein:
  • Atemnot (Dyspnoe): Der Hund nutzt die Bauchmuskulatur zur Hilfe beim Atmen (Bauchpresse) oder streckt den Hals weit vor.
  • Nasenausfluss: Von wässrig-klar bis eitrig-gelb
  • Leistungsabfall: Der Hund möchte nicht mehr spielen oder ermüdet beim Spaziergang ungewöhnlich schnell
  • Würgen: Oft verwechseln Besitzer Husten mit dem Versuch, sich zu erbrechen
  • Veränderte Schleimhäute: Prüfen Sie das Zahnfleisch. Es sollte rosa sein. Eine bläuliche (Sauerstoffmangel) oder blasse Färbung könnte ein Notfall-Signal sein.

Infektiöse & Akute Erkrankungen


In diese Kategorie fallen Erkrankungen, die meist durch äußere Einflüsse wie Viren, Bakterien oder Pilze ausgelöst werden. Sie treten oft plötzlich auf und können, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt werden, von den oberen Atemwegen tief in die Lunge wandern.

Die "Erkältung" beim Hund (Grippaler Effekt)

Hunde können sich, genau wie wir Menschen eine klassische Erkältung einfangen. Meist handelt es sich dabei um eine harmlose Infektion der oberen Atemwege.
Symptome: Häufiges Niesen, wässriger Nasenausfluss und eine leichte Trägheit.
Ursache: Ein geschwächtes Immunsystem, nasskaltes Wetter oder der Kontakt zu anderen erkälteten Artgenossen.
Achtung: Eine harmlose Erkältung kann die Schleimhäute so weit schwächen, dass sich gefährliche Bakterien ansiedeln (Sekundärinfektion).

Zwingerhusten-Komplex (Infektiöse Tracheobronchitis)

Der Begriff „Zwingerhusten“ ist eigentlich eine Sammelbezeichnung für eine hochgradig ansteckende Entzündung der oberen Atemwege (Luftröhre und Bronchien). Da meist mehrere Erreger gleichzeitig beteiligt sind, sprechen Mediziner vom Zwingerhusten-Komplex.

Die Erreger: Ein "Team" aus Viren und Bakterien

Die Erkrankung wird selten durch nur einen Erreger ausgelöst. Meist bereiten Viren den Weg vor, indem sie die Schleimhäute schädigen, woraufhin sich Bakterien massiv vermehren:
  • Virale Wegbereiter: Vor allem das Canine Parainfluenzavirus (CPiV) und das Canine Adenovirus Typ 2. Sie schwächen die lokale Immunabwehr der Atemwege.
  • Bakterielle Hauptakteure: Das Bakterium Bordetella bronchiseptica kommt am häufigsten vor. Es setzt sich an die Flimmerhärchen der Atemwege fest und lähmt deren Reinigungsfunktion.

Übertragung

Entgegen der Vermutung findet die Ansteckung nicht nur im Zwinger statt, sondern überall dort, wo Hunde aufeinandertreffen:
  • Tröpfcheninfektion: Durch Husten, Niesen oder direkter Nase-an-Nase-Kontakt (z.B. Anschnüffeln oder gemeinsames Schnüffeln).
  • Schmierinfektion: Gemeinsam genutzte Wassernäpfe oder geteiltes Spielzeug.
  • Risikoorte: Hundeschulen, Welpengruppen, volle Hundewiesen oder Tierpensionen und Tierheime.

Das klinische Bild

Das charakteristischste Anzeichen ist ein plötzlicher, extrem trockener und harter Husten. Er ist oft so gewaltig, dass der Hund am Ende der Attacke würgt und weißen Schleim oder Schaum ausstößt. Dies wird von Besitzern oft fälschlicherweise als Erbrechen interpretiert.
Die Luftröhre ist so empfindlich, dass bereits ein leichter Zug am Halsband oder Aufregung einen Hustenanfall auslösen kann.

Warum dauert die Heilung von Zwingerhusten oft lange?

Da die Bakterien die Flimmerhärchen (Zilien) der Luftröhre schädigen, verliert die Lunge ihre wichtigste "Selbstreinigungsanlage". Der Schleim wird nicht mehr effektiv nach außen transportiert. Deshalb kann sich ein Zwingerhusten über Wochen hinziehen und ohne Unterstützung der Schleimlösung zu einer chronischen Bronchitis führen.

Lungenentzündung (Pneumonie)

Eine Lungenentzündung ist eine hochgradig ernstzunehmende Erkrankung des Lungengewebes. Sie kann als Folge eines verschleppten Zwingerhustens entstehen oder durch das Einatmen von Fremdkörpern, Flüssigkeiten oder Erbrochenem (Aspirationspneumonie). 

Warnsignale: Hohes Fieber, extreme Apathie (Hund wirkt schwer krank), rasselnde Atemgeräusche, eine deutlich erhöhte Atemfrequenz in Ruhe (oft eine sehr schnelle, flache Atmung) und manchmal bläulich verfärbte Schleimhäute (durch den Sauerstoffmangel).

Wichtiger Hinweis: Eine Pneumonie ist immer ein medizinischer Notfall und erfordert eine intensive tierärztliche Betreuung, oft inklusive Röntgenuntersuchung und gezielter Antibiose. Wenn Sie bei Ihrem Hund eine Lungenentzündung vermuten suchen Sie bitte umgehend Ihren Tierarzt auf.

Chronische & Allergische Erkrankungen


Während akute Infekte oft nach wenigen Wochen ausheilen, zeichnen sich chronische und allergische Erkrankungen durch eine dauerhafte Reizung oder eine Überreaktion des Immunsystems aus. Unbehandelt führen sie zu einem dauerhaften Umbau des Lungengewebes (Remodeling).

Chronische Bronchitis beim Hund 

Die chronische Bronchitis ist eine Entzündung der unteren Atemwege, die per Definition über einen Zeitraum von mindestens zwei Monaten besteht. 

Was passiert dabei im Körper?
Die Schleimhaut der Bronchien ist dauerhaft gereizt (woher?). Dies führt zu einer Verdickung der Bronchialwände und einer Überproduktion von zähem Schleim. Die feinen Flimmerhärchen werden zerstört (warum?), wodurch der Selbstreinigungsmechanismus der Lunge versagt. 

Leitsymptom: Ein täglicher, oft feuchter Husten, der besonders morgens oder bei erster Bewegung nach dem Ruhen auftritt. 

Langzeitfolge
Durch den chronischen Entzündungsprozess kann es zu einer Bronchiektasie (irreversible Ausweitung der Bronchien) kommen, was die Lunge anfälliger für schwere Infekte macht.

Eosinophile Bronchopneumopathie (EBP) – Das „Hunde-Asthma“ 

Obwohl das klassische Asthma eher bei Katzen (Felines Asthma) bekannt ist, gibt es beim Hund eine sehr ähnliche Erkrankung: die Eosinophile Bronchopneumopathie.
Was hier passiert
Bestimmte weiße Blutkörperchen (Eosinophile) wandern massiv in das Lungengewebe und die Bronchialschleimhaut ein und verursachen eine schwere, immunbedingte Entzündung.
Symptome
Betroffene Hunde leiden unter starkem Husten, Kurzatmigkeit und zeigen oft einen deutlichen Nasenausfluss. Ohne Behandlung droht eine dauerhafte Schädigung der Lungenstruktur.
Besonderheit
Diese Erkrankung tritt überdurchschnittlich häufig bei bestimmten Rassen wie dem Sibirian Husky oder dem Rottweiler auf, kann aber jeden Hund treffen.

Allergien der Atemwege 

Hunde können genau wie wir Menschen allergisch auf Partikel in der Luft reagieren. Das Immunsystem stuft harmlose Stoffe als Bedrohung ein und reagiert mit einer Entzündung der Schleimhäute. 
Häufige Auslöser: Pollen, Hausstaubmilben, Schimmelpilzsporen oder Duftstoffe in Reinigungsmitteln und Parfüms. Allergien treten oft saisonal auf (Pollenflug), können aber bei Hausstauballergikern ganzjährig zu Beschwerden führen.
Symptome: Neben Husten zeigen allergische Hunde oft auch Niesen, tränende Augen oder Juckreiz an den Pfoten und Ohren.

Mechanische & Anatomische Erkrankung


Manche Atemwegsprobleme sind sprichwörtlich „hausgemacht“ oder angeboren. Hier sind es nicht Erreger, die den Hund krank machen, sondern die Struktur der Atemwege selbst, die den Luftstrom behindert oder instabil wird.

Luftröhrenkollaps (Trachealkollaps) 

Der Trachealkollaps ist eine fortschreitende Erkrankung, bei der die stabilisierenden Knorpelringe der Luftröhre ihre Festigkeit verlieren. Die Luftröhre verliert ihre runde Form und fällt – ähnlich wie ein weicher Plastikschlauch – beim Einatmen zusammen. 
Wer ist betroffen?
Vor allem kleine Hunderassen und Zwergrassen wie Yorkshire Terrier, Zwergspitz (Pomeranian), Chihuahua und Malteser.
Das Leitsymptom
Ein sehr typischer, hohler Husten, der oft wie das Schreien einer Gans klingt („Gänsehusten“). Er tritt meist bei Aufregung, körperlicher Belastung oder bei Druck auf die Luftröhre (Halsband) auf. 
Folge
Durch die ständige Reizung der zusammenfallenden Wände entsteht eine chronische Entzündung, die das Problem weiter verschlimmert.

Brachyzephales Atemsyndrom (BAS) 

Brachyzephalie bedeutet „Kurzköpfigkeit“. Durch die züchterische Auswahl auf sehr kurze Gesichter (Mops, Französische und Englische Bulldogge, Boxer) wurde der Raum für die Atemwege massiv reduziert. 
Die anatomischen Hindernisse
  • Zu enge Nasenlöcher: Der Hund muss extrem viel Kraft aufwenden, um Luft einzusaugen. 
  • Zu langes, dickes Gaumensegel: Es ragt in den Kehlkopfbereich hinein und blockiert den Luftstrom.
  • Verengte Luftröhre: Oft ist das gesamte System unterdimensioniert. 

Symptome
Lautes Schnarchen (auch im Wachzustand), schnelle Erschöpfung bei Hitze und bläuliche Schleimhäute bei Belastung. Was viele Besitzer als „süßes Schnarchen“ interpretieren, ist medizinisch betrachtet oft ein lebenslanger Kampf um ausreichend Sauerstoff.

Kehlkopflähmung (Larynxparalyse) 

Im Gegensatz zum Trachealkollaps bei kleinen Hunden betrifft die Kehlkopflähmung häufig große, ältere Hunde (z. B. Labrador Retriever oder Golden Retriever). 
Was passiert?
Die Muskeln, die den Kehlkopf beim Einatmen öffnen sollten, funktionieren nicht mehr richtig. Die Stimmfalten hängen schlaff in den Atemweg hinein. 
Symptome: Das Bellen verändert sich (wird heiserer), und der Hund zeigt ein lautes, sägendes Atemgeräusch beim Einatmen. Besonders bei Hitze geraten diese Hunde schnell in Panik und Atemnot.

Weitere wissenswerte Informationen